Wie viele andere Namen von Menschen und Orten wird Ihnen Proastio in Griechenland häufiger begegnen. Manche Dinge sind in Griechenland einfach sehr umkompliziert, so braucht man sich nur wenige Namen zu merken und man ist irgendwie immer in der Nähe des Ziels oder der gesuchten Person.
In der Landessprache der Elliniki Dimokratia bedeutet Proastio soviel wie Vorort oder Vorstadt. In Anlehnung daran heißen die Straßenbahnen in Athen auch Proastiakos und natürlich etliche Ortschaften in Griechenland Proastio.
Unser Proastio liegt aber nicht irgendwo in dem Land mit einer Größe von ca.132.000 Quadratkilometern und mit ungefähr 11.000.000 Einwohnern. (Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass etwa die Hälfte aller Griechen in Athen lebt – man stelle sich das mal für Deutschland und Berlin vor...).
So, nun nähern wir uns Proastio, von Athen aus fahren wir westlich über Korinth auf die Peloponnes, im Mittelalter auch Morea genannt.
Aber das wissen wir ja schon alles, wir fahren (nur weil laufen sehr viel beschwerlicher wäre) weiter über Megalopoli und Tripoli nach Kalamata und befinden uns jetzt im tiefen Süden der Peloponnes.
Messinien öffnet sich dem Auge und das Taygetos Gebirge versperrt den Blick dann auch gleich wieder. Genau da müssen wir hin, ist nicht mehr weit, einmal um eines der gewaltigsten Gebirgsregionen Griechenlands und Europas herum, knapp am Ilias (Profitis Ilias 2.410 m), dem höchsten Berg der Peloponnes vorbei und schon sind wir in der Exomani, dem traumhaft schönen Land der Provinz Messinien und gleichzeitig die Grenze zur Mani.
Der wilden und unglaublich schönen Mani nähern wir uns dann aber ein anderes Mal (vielleicht haben Sie ja Lust, Ihre Eindrücke in Worte zu fassen, wir werden sie hier einfügen - dass mir bei der Entdeckungstour aber keiner in den Zugang zum Hades fällt! (Kap Teranon am südlichsten Zipfel der Mani).
Bei der geringen Bevölkerungsdichte von ungefähr 25,5 Einwohnern (der halbe ist sicher ein Tourist) pro Quadratkilometer sollte man meinen, dass man kaum jemanden zu Gesicht bekommt – das täuscht aber ein wenig. Im Sommer laufen einem doch reichlich Athener, viele Leute aus Patras, einige Engländer, Niederländer, Italiener, sowie Franzosen und Deutsche über den Weg, in den Wintermonaten aber kann es tatsächlich passieren, dass man unter sich – und zwar nur unter sich – ist.
Jetzt also die Liste der Ortschaften und deren vermutlicher Einwohnerzahl im Winter:
- Agios Nikolaos 440 Einwohner
- Agios Nikolas 140 Einwohner
- Exochori 300 Einwohner
- Kardamyli 450 Einwohner
- Kariopouli 75 Einwohner
- Kastania 200 Einwohner
- Langada 200 Einwohner
- Milea 370 Einwohner
- Neochori 1.100 Einwohner
- Nomitsi 110 Einwohner
- Platsa 370 Einwohner
- Proastio 450 Einwohner plus meiner Familie und unseren Freunden
- Prosilio 210 Einwohner
- Pirgos 180 Einwohner plus der Familie Bläuel – Hallo Fritz – und ihren Olivenbäumen.
- Rigklia 190 Einwohner
- Saidona 120 Einwohner (eine Perle im Taygetos)
- Thalames 130 Einwohner ( Danke an nestor )
- Trachila 170 Einwohner
- Tseria 190 Einwohner
Kardamyli ist sicher der bekannteste Ort dieser Aufzählung.
Bereits Homer erwähnte dieses Dorf in seiner Ilias. Agamemnon, der ein Auge auf die Tochter des Achill warf, versprach dem erwünschten Schwiegervater Kardamyli als Mitgift.
Zur Zeit des Imperium Romanum diente Kardamyli als Hafen für Sparta, später dann als Hafen für Mystras. Kardamyli und die Mani blieben von der Besetzung Griechenlands durch das Osmanische Reich auf Grund der sehr unzugänglichen Lage weitestgehend verschont. So fanden reichlich Befreiungskrieger in dieser Gegend Zuflucht.
1821 begann die Rückeroberung Griechenlands mit dem Marsch von Theodoros Koloktronis ( „der Alte von Morea“ - * 05.04.1770 in Karitena, gestorben am 05.02.1843 in Athen) und seinen Mannen von Kardamyli auf Kalamata. Nach der Eroberung der Stadt verbreitete sich der Unabhängigkeitskrieg von hier aus über ganz Griechenland.
Neben dem Maniaten Petros Mavromichalis ( „Petrobey“- 1765 bis 1848) gilt Koloktronis als Hauptanführer des griechischen Widerstands.
Wir verlassen diesen geschichtsträchtigen Ort nun in südlicher Richtung, blicken zur rechten auf die Kalamtsi Bucht, den ehemaligen Naturhafen von Proastio und folgen weiterhin der Straße.
Nach etwa 2300 Metern geht es dann links den Berg hoch in Richtung Exochori und Proastio. Es gibt auch zwei sehr schöne und gut beschilderte Wanderwege nach Proastio, ähnlich wie auf der Serpentinenstraße eröffnet sich auch beim Fußmarsch ein wundervoller Blick in die Ferne.
Proastio wurde auf einer Höhe von 200 bis 260 Metern über NN erbaut, von nahezu jeder Stelle im und außerhalb des Dorfes bietet sich eine beeindruckende Sicht. Von unserem Balkon aus gesehen breitet sich in Richtung Westen der Golf von Messinien und der erste Finger vor uns aus. Südlich erstreckt sich die Mani mit ihrem verwunschenen Küstenrelief und östlich das imposante Taygetos Gebirge und der Nachbarort Saidona auf etwa 600 Metern über NN gelegen.
Im Jahre 1439 wurde der Ort zum ersten Mal urkundlich erwähnt und natürlich gehörte auch Proastio zu den Zentren des maniotischen Widerstands gegen die Besatzer des osmanischen Reiches und später dann aber auch gegen König Otto. Nachdem Proastio gleich zweimal zum Ziel schwerer Auseinandersetzungen mit den Osmanen wurde und jeweils fast komplett niederbrannte, entschlossen sich in den Jahren 1674 und 1675 mehr als dreihundert Einwohner zur Übersiedlung nach Süditalien.
Folgen wir der Straße nach Exochori fällt rechter Hand (an der Zufahrt zum Friedhof) ein stattlicher „Maniturm“, der „Phioureas“ Turm auf. Diese Bauweise war in früheren Zeiten in der Mani sehr verbreitet und sie gelten auch heute noch als typisch maniotisch.
Die Wehrtürme boten den Familien ein festes Zuhause und auch Schutz vor jeglichen Aggressoren. Erzählt wird meist von Piraten und Eroberern, welche die Manioten bedrängten, überwiegend boten die wehrhaften Türme jedoch Schutz bei Nachbarschaftskonflikten. Die Manioten sind ein sehr stolzes Volk und vieles, was uns eher an Sizilien erinnert, ist ihnen durchaus nicht fremd.
Gewährt Ihnen ein Maniate Gastrecht, so wird er Sie mehr als freundlich behandeln, achten Sie aber bitte seine dezente Zurückhaltung und begegnen Sie ihm mit Würde.
1833 beschloss König Otto von Griechenland die unruhige und anarchistische Peloponnes zu befrieden und seine Regierung gab Befehl, alle “Manitürme” zu zerstören. Da nahezu alle Manioten in Wehrtürmen wohnten und sie durchaus nicht bereit waren sich in die Obdachlosigkeit zu begeben, gab es natürlich Widerstand. Die Truppen von Otto wurden dreimal zurückgeschlagen. Den erbitterten Widerstand gaben die Manioten erst nach zähen Verhandlungen über besondere Vergünstigungen für ihre Volksgruppe auf.
Proastio fällt den Besuchern besonders durch seine hohe Anzahl an Kirchen und Gebetshäusern auf. Kirchen sind in Griechenland ja sicher häufig zu besichtigen, aber in Proastio kommt ein Gebetshaus auf ca. 10 Einwohner, auch für hellenische Vorstellungen eher ungewöhnlich. Die meisten der Gotteshäuser wurden zwischen 1680 und 1760 erbaut, in den Jahren um 1743 war Proastio Bischofssitz.
Zu den bekanntesten Andachtsstätten gehören Agios Nikolaos, Eisodia tis Theotokou, Agios Dimitris, Agios Sotiras, Agios Panagia (rechts vor dem Friedhof) und die Doppelkapelle Agios Vasilion und Agios Spiridon.
Proastio beherbergt neben seinen Einwohnern und viel Natur einen kleinen Metall verarbeitenden Betrieb, einen Steinbruch für Kalksandsteine, ein Kafenion, einen Minimarkt, eine Taverne, einen kleinen Reiterhof, jede Menge Olivenbäume und Ziegen, sowie einige Kühe und Esel.
Ein kleiner, ruhiger Ort mit freundlichen Menschen, in dem es viel zu entdecken gibt und der zu Wanderungen und zur Erholung einlädt.
Warum aber unser Proastio ausgerechnet „Vorort“ heißt wissen weder die alten Bewohner noch wir als erst kürzlich Hinzugezogene (wir sind erst seit 30 Jahren ortsansässig) zu sagen, die nächste Stadt ist auf jeden Fall weit weg.
Quellennachweis:
Wikimedia Foundation Inc.
P.O. Box 78350
San Francisco,
CA 94107-8350
United States of America
Griechisches Innenministerium.
www.ypes.gr
Griechisches Ministerium für Kultur.
www.culture.gr
Griechisches Ministerium für Presse und Medien.
www.minpress.gr
Statistikamt im Wirtschaftsministerium,
National Statistical Service of Greece.
www.statistics.gr






Kommentare
"Die Gemeinde besteht aus 19 Ortschaften..."
Leider stehen in der Liste 'nur' 18 Orte - oder?
nix für ungut
nestor
Gruß
Jaser
mir ist tatsächlich eine Ortschaft aus den Finger geglitten, hab vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit.
Es fehlt natürlich Thalames mit seinen 130 Einwohnern. Der Fehler wird noch heute korrigiert.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Peter Battenfeld-Feulgen
Aber etwas wundert mich bei der Liste oben:
Wenn vielleicht die Orte Pighi und Aghios Dimitrios – auch im Sommer den meisten Touristen – nicht besonders auffallen, STOUPA könnte man doch erwähnen in der Ortsauflistung, meint ihr nicht?
Viele Grüße und Erfolg mit so einer schönen Shop-Seite,
A. Ohlhaver
hab vielen Dank für Deine sehr freundliche Nachricht.
Bei der Auflistung "Proastio" fehlt Stoupa, (im November fahre ich für drei Tage dorthin:-) weil es nicht zur Gemeinde " Lefktro" in der Exomani gehört.
Der Beitrag ist sicher eng gefasst, aber wir wollten erst einmal etwas zu Proastio und die Gemeinde Lefktro berichten.
Warum Stoupa nicht zu Lefktro gehört, konnte ich nicht recherchieren, aber wir kümmern uns darum und werden sicher schon bald eine Reisebeschreibu ng
unter dem Titel "Die wilde Mani" inclusive Stoupa verfassen. Vielleicht hast Du ja Lust uns Deine eigenen Stoupa und Mani Erfahrungen zu schildern?
Sehr gerne werden wir Deinen Reisebericht in unserem Blog veröffentlichen . (Fotos nicht vergessen)
Liebe Grüße und weiterhin viel Freude in der Mani und an Proastio-Shop.
Peter
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