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Essen in Griechenland

Der reich gedeckte Tisch oder Essen in Griechenland

Wie ihre mediterranen Nachbarn lieben es Griechen, bei einem guten Essen zu verweilen. Speisen dient nicht nur dem satt werden, sondern wird - wenn möglich - zelebriert. Ein gemeinsames Essen ist Kultur und dient als Grundlage für Meinungsaustausch, Lebensfreude und dem sich Kennenlernen.

Schöne Momente dürften eigentlich niemals enden, beim Genuss an der Tafel bieten sich vielfältige Möglichkeiten, das Zusammensein zu verlängern.

Der Tisch darf sich biegen, aber den Teller zu überladen ist unseren griechischen Freunden eigentlich sehr fremd, auch Gläser werden nicht bis zum Maximum gefüllt. Was an Leckereien auf den Tisch kommt, ist meist unverfälscht: eine Olive ist eine Olive, warum soll sie nach Paprika schmecken, eine gegrillte Paprika ist wundervoll, warum sollte sie nach Käse schmecken?

(Dem allgemeinen Trend folgend gibt es mittlerweile aber auch viele griechische Hersteller von italienisch - und spanisch geprägten Vorspeisen, wie zum Beispiel gefüllte Oliven, gefüllte Paprika oder gefüllte Champignons)

Mezedes sind anders, sie sollen die Zunge und den Gaumen langsam schulen, unterschiedliche Geschmacksnuancen werden betont und man bekommt Lust auf die nächste Köstlichkeit. Brot gehört unbedingt zu den Vorspeisen, dazu wird ein Aperitif, Wasser oder aber ein leichter Landwein gereicht.

Der Ablauf eines gemeinsamen Essens folgt einem unaufdringlichen Rhythmus, abgeräumt wird meist nach jedem Gang, aber wirklich erst dann, wenn jeder in Ruhe gegessen hat. Die Speisen werden ohne Beilagen auf den Teller gebracht (ein wenig Dekoration ist aber erlaubt), Beilagen werden zentral positioniert, so dass sich jeder selbst bedienen kann, gleiches gilt auch für Salate oder Desserts. Das dezente Signal für den nächsten Gang gibt die Tischdame oder der Tischherr.

Ich werde mal versuchen, ein klassisches Essen mit Freunden und Verwandten in einem Restaurant irgendwo in Griechenland zu beschreiben: Der Restaurantbesitzer begrüßt die Gäste, je größer die Schar, desto euphorischer fällt die Begrüßung aus. Der Kellner beobachtet das Treiben aus sicherer Distanz und wirkt mit zunehmender Anzahl der Gäste immer motivierter... :-)

Die Gäste setzen sich an den Tisch und es stehen Gläser für Wasser, Wein und Softgetränke bereit.
Wir beginnen mit einem Ouzo und kaltem Wasser (für die lieben Kleinen lassen wir den Ouzo weg oder trinken ihn selbst), hierzu werden kleine Vorspeisen (Mezedes) gereicht. Wer möchte, verdünnt seinen Ouzo mit Wasser oder lässt ihn sich auf Eis servieren. Als erste Vorspeise haben wir Brot, gegrillte Zucchinischeiben und gegrillten Oktopus in mundgerechten Stücken gewählt.

Die Mezedes werden auf kleinen Servierplatten auf den Tisch gebracht und die Gäste bekommen Holzstäbchen (Zahnstocher) oder kleine Gabeln und kleine Teller. Nach kurzer Zeit wählen wir weitere Getränke zur Vorspeise, wer möchte trinkt ein Bier oder einen leichten Weißwein, für die Kinder stehen Saft und Limonade bereit und Wasser ist immer ausreichend auf dem Tisch.
Die Stimmung ist gut und wir bestellen weitere Vorspeisen.
Wir bekommen Auberginencreme, Kopanisti (Ktipiti – Schafskäsecreme), Skordalia (Knoblauchcreme) und Tarama (Fischrogencreme) mit Brot serviert. Es wird gut gekühlter Wein nachgeschenkt, die Kinder trinken weiter Softgetränke und natürlich werden auch die Biertrinker bedacht.
Nachdem die Verwandtschaft dritten Grades ausgiebig besprochen wurde und insgesamt eine heitere Stimmung vorherrscht, gebe ich das Signal für den Salat. Den freundlichen Kellner haben wir zwischenzeitlich immer mal wieder an den Tisch gebeten, ihm Wein eingeschenkt und nach dem Befinden der werten Gattin und der Kinder befragt, er wirkt jetzt schon deutlich entspannter. Die Gäste bekommen neue Teller und Besteck, wir erwarten einen griechischen Bauernsalat aus Gurkenstücken, Tomatenstücken und Zwiebelringen mit Feta Käse, Kalamata Oliven, Olivenöl und Oregano.

Der Salat wird auf einem großen Teller oder in einer flachen Schüssel auf die Tischmitte gestellt und jeder nimmt sich was er bevorzugt. Natürlich wird Brot dazu gereicht. Nach dem Salat sind wir dabei, die Verwandtschaft zweiten Grades zu besprechen, und machen eine kurze Pause, hierzu servieren wir einen kraftvollen Rotwein, einige Nüsse und Pistazienkerne. Der gegrillte Fisch und die würzigen Bifteki duften aufdringlich aus Richtung Küche und langsam haben alle wieder Appetit. „Alles zu eurer Zufriedenheit?“ fragt der freundliche Besitzer, er erzählt kurz von der vielen Arbeit welche ihm noch die Gesundheit ruinieren wird und widmet sich nach kurzer Plauderei wieder seinem Tisch mit der Zeitung, dem Aschenbecher und der Fernbedienung seines Fernsehers.
Wir überlegen erst einmal in aller Ruhe, welcher Wein zum Hauptgang passt. Bis wir soweit sind, werden wohl auch die in Öl gebackenen Kartoffeln fertig sein. Wir entscheiden uns für einen fruchtigen Weißwein. Das Essen wird serviert und die Kartoffeln stehen in der Mitte des Tisches.
Beim Entgräten des Fisches haben wir Zeit uns über Fußball und Mode zu unterhalten, wir vermeiden es jedoch, über Verwandtschaft ersten Grades ins Gespräch zu kommen. Die kleineren Kinder am Tisch haben längst ihr erstes Eis vom Kellner zugesteckt bekommen, die größeren interessieren sich mehr für die Mädchen und Jungen an den Nachbartischen. Selbst die Anwesenden, welche uns vorher eher nicht so interessierten, gewinnen jetzt langsam an Gewicht und Sympathie.
Überhaupt, sieht meine Frau / mein Mann heute nicht klasse aus – und wie klug sie / er reden kann?!
Die Teller werden abgeräumt und der Tisch wieder halbwegs in Ordnung gebracht, es folgt das Zeichen für den nächsten Gang.
Jeder Gast bekommt einen kleinen Teller und eine kleine Gabel und es werden Früchte der Saison oder kandierte Zitrusfrüchte serviert, hierzu trinken wir einen Kumquat Likör oder einen Likörwein. Die lieben Kleinen veranstalten sportliche Wettbewerbe oder betätigen sich als Jäger und Sammler (Katze komm her, ich hab dich gesehen), die größeren Kids suchen immer noch den Blickkontakt oder vielleicht sogar schon ein kleines Gespräch mit den Favoriten der Nachbartische und sie zeigen sich lässig.
Die Stimmung könnte nicht besser sein, es ist spät geworden, recht warm eigentlich und wir unterhalten uns immer noch prächtig über gemeinsame Erinnerungen aus Kindheit und Jugend.
Fili mou ich möchte nach Hause, die Kinder sind bestimmt schon müde.
Mama, wir sind nicht müde!
Agapimu lass uns noch einen Kaffee trinken.

Der griechische Kaffee kommt und es gibt noch mal eine Kleinigkeit zu Essen - Halvas mit Vanille.
Die Gespräche sind immer noch intensiv, aber worum es eigentlich geht, ist jetzt nicht mehr so klar zu erkennen.

Wer möchte einen Tsipouro , wer einen Metaxa?
Ach Agapimu bring mich nach Hause...
Fili mou die Gäste unterhalten sich doch noch so nett und Maria hat noch nicht alle Fotos gesehen...
Papa, komm wir zeigen dir den Weg...

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Griechenland nur so...
©Peter Battenfeld-Feulgen

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